Aktuelles Schuljahr
Damir Obert von CJD Südbaden unterstützt die Vorbereitungsklasse der Werkrealschule bei der Berufsorientierung. Darüber freuen sich Rektorin Birgitta Stephan, Konrektorin Nathalie Rindt, Klassenlehrer Christopher Bäuerle sowie die beiden Schüler Nurhan und Abdullah (von links). Foto: Martha Weishaar   Die Internationale Vorbereitungsklasse der Werkrealschule steht vor besonderen Herausforderungen. Jugendliche aus unterschiedlichen Herkunftsländern sollen hier in kürzester Zeit in einem für sie fremden Land für das Berufsleben fit gemacht werden. Denn Integration gelingt am besten über eine dauerhafte Berufstätigkeit. Zu diesem Zweck kooperiert die Schule mit dem Bildungs- und Sozialunternehmen CJD (Christliches Jugenddorf).

Dessen Mitarbeiter Damir Oberst unterstützt Klassenlehrer Christopher Bäuerle, bringt nebenbei sogar ein bisschen Fördergeld mit. "Keiner darf verloren gehen", lautet das Motto bei CJD. Zur Zusammenarbeit mit dem in Offenburg ansässigen Sozialunternehmen entschied sich Bäuerle, nachdem das Fraunhofer Institut die bisherige Zusammenarbeit bei KooBo-Projekten (Kooperative Berufsorientierung) eingestellt hatte.

Damir Oberst ist während des gesamten Schuljahres in zweiwöchigem Rhythmus jeweils zwei Stunden in der Vorbereitungsklasse. Das Ziel seiner Bemühungen ist es, dass die Schüler den für sie passenden Beruf finden. Als ersten Schritt besuchten die Schüler das Altenzentrum, um den Arbeitsalltag von Pflegeberufen oder Präsenzkräften kennen zu lernen. Momentan stellen die Schüler aus gebrauchten Materialien Lampen her. Dieses "Upcyclingprojekt" zeigt auf, wer mit welchen Werkstoffen am besten umgehen kann, wer eher handwerklich oder eher kreativ veranlagt ist. Auf diese Weise entstehen einzigartige Lampenschirme aus Blumentöpfen, Wasserleitungen, Brausehalterungen, Bremsscheiben oder Holz. Zusammengetragen wurde das Material bei sämtlichen Firmen in der Allmendstraße, die sich vorbehaltlos auf das Projekt einließen. Für Damir Oberst ist das eine komfortable Situation, die er längst nicht überall antrifft. "Christopher Bäuerle und die Werkrealschule sind für mich Traumpartner", lobt der Sozialarbeiter. "Er fördert und fordert die Schüler im richtigen Maß, ist sehr engagiert und setzt sogar seine persönlichen Kontakte ein. Zudem respektieren ihn die Schüler. Das ist ein Musterbeispiel." Auch die Umgebung der Schule zeige sich bereitwillig im Umgang mit jugendlichen Flüchtlingen, würdigt Oberst im Gespräch mit unserer Zeitung.

Christopher Bäuerle, der die Klasse unterrichtet, steht indes vor Herausforderungen, die den üblichen Rahmen des Lehreralltags sprengen. Seine Schüler sprechen kaum Deutsch, kommen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen und Vorstellungen nach Deutschland. "Die sitzen im Technikunterricht auch schon mal im Schneidersitz auf dem Tisch und wenn grad kein Hammer greifbar ist, nehmen sie ein beliebiges Ersatzwerkzeug", schildert der Lehrer alltägliche Situationen. Es geht für ihn also nicht nur darum, Kenntnisse in Deutsch oder Mathe zu vermitteln, sondern vielmehr darum, den Schülern klar zu machen, welche schulischen Regeln oder Sicherheitsvorschriften hierzulande gelten. Die Klasse mit elf Jungen und drei Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren hat eine hohe Fluktuation. Manche Schüler sind nur ein paar Monate in der Klasse, verschwinden ohne Vorwarnung von heute auf morgen, weil die Familie abgeschoben wird oder freiwillig ausreist. Die Schule erfährt davon nichts. Das macht dem engagierten Pädagogen menschlich zu schaffen, wachsen doch immer auch persönliche Beziehungen zu seinen Schützlingen.

Hin und wieder muss er die hohen Erwartungen der Eltern dämpfen, wenn etwa eine muslimische Tochter Medizin studieren soll, aber bereits verstört reagiert, wenn sie einen Mann in Unterwäsche sieht. Doch es gibt auch Erfolgserlebnisse, etwa den Fall eines Schülers, der so fleißig lernte, dass er nach zwei Wochen bereits an die Realschule wechseln konnte. Oder das Mädchen, das momentan am Kolleg in Sankt Blasien schnuppern darf, um dort eventuell zum Abitur zu gelangen.

Im Mai und Juli werden die jugendlichen Flüchtlinge Berufspraktika absolvieren. Vielleicht findet der eine oder andere sogar den passenden Beruf für sich. Die Betriebe seien diesbezüglich sehr aufgeschlossen, sagt Christopher Bäuerle. Allerdings kann es auch passieren, dass Jugendliche abgeschoben werden, obschon sie eine feste Ausbildungszusage haben. Das sind für Christopher Bäuerle dann frustrierende Aspekte seiner Bemühungen.

Badische Zeitung v. 23.04.2018

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