Aktuelles Schuljahr
Müllermeister Daniel Blattert (links) und Lehrer Christopher Bäuerle erläuterten in der Versammlung des BLHV-Stadtverbands Bonndorf das Kooperationsprojekt „Brot-Lehrpfad“. Foto: Juliane Kühnemund   Es ist auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Vorstoß: Das Bildungszentrum Bonndorf strebt die Kooperation mit Landwirten an, ein Lehrer referiert in der Hauptversammlung des BLHV-Stadtverbands Bonndorf. Was steckt hinter diesem Zusammenrücken von Bildungseinrichtung und Landwirtschaft?

Naturparkschule

Die Antwort auf diese Frage lässt sich in der neuen Ausrichtung des Bonndorfer Bildungszentrums finden, das sich auf dem Weg zur Naturparkschule befindet.

Und Naturparkschule heißt unter anderem, dass sich Kinder und Jugendliche intensiv mit Themen aus der Natur im Umfeld der Schule beschäftigen. Eine zentrale Rolle hierbei spielen außerschulische Partner wie eben Landwirte, Vereine oder auch Handwerker. Die Pädagogen Christopher Bäuerle, Jutta Schär und Melanie Boll arbeiten federführend an der konzeptionellen Ausrichtung der Naturparkschule, bereiten klassen- und fächerübergreifende Projekte vor, in die externe Kooperationspartner integriert werden.

Brot-Lehrpfad

Eines dieser Kooperationsprojekte trägt den Titel "Brot-Lehrpfad". Dass diesbezüglich der Schulterschluss mit den Bauern gesucht wird, liegt auf der Hand. Zur Mitarbeit bereit erklärt hat sich bereits Müllermeister Daniel Blattert, der die Projektidee nun gemeinsam mit Christopher Bäuerle in der Hauptversammlung des BLHV-Stadtverbands vorstellte. Was macht eigentlich ein Landwirt, wie werden Lebensmittel produziert, wie weiterverarbeitet? Dass sich die rund 700 Schülerinnen und Schüler des Bildungszentrums Bonndorf mit solchen und vielen weiteren Fragen hautnah beschäftigen können, darin sieht Christopher Bäuerle eine große Chance, Verständnis für einen Berufszweig zu wecken, der in der Öffentlichkeit ins Abseits geraten ist und sogar teilweise mit einem Negativimage belegt ist. Wer nämlich miterleben kann, wie in den bäuerlichen Betrieben der Region gearbeitet wird, der wird die Wertigkeit der regionalen Lebensmittel ganz anders einstufen können. Und mit dem Brot-Lehrpfad, der von den Schülerinnen und Schülern konzipiert und auch umgesetzt werden soll, könnten diese Erkenntnisse auch vielen weiteren interessierten Personen anschaulich vermittelt werden.

Verbraucheraufklärung

Müllermeister Daniel Blattert beleuchtete in einem recht humorvoll gehaltenen Vortrag die Frage: "Was bringt uns ein weiterer Lehrpfad?" Eigentlich greife ein Lehrpfad ganz normale Dinge und Zusammenhänge auf, über die man sich in der modernen Gesellschaft aber kaum mehr Gedanken mache. Dennoch, oder gerade deshalb üben solche Lehrpfade eine große Anziehungskraft aus. Dies beweise der Bienenlehrpfad in Holzschlag, "der so gut frequentiert wird, dass die Familie Scharf sogar noch eine Wirtschaft aufmachen musste", sagte der Müllermeister schmunzelnd. Ganz im Ernst war Daniel Blattert aber davon überzeugt, dass der Brot-Lehrpfad eine wichtige Rolle für die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte spielen wird. Das Problem sei nämlich, so Blattert, dass Regionalität zwar nachgefragt werde, der Begriff Regionalität aber durch irreführende Werbekampagnen an Glaubwürdigkeit verloren habe. Mittlerweile werde mit Begriffen wie "crafted", "brutal lokal", "kleine Manufaktur" usw. geworben. Aber auch hier könne der Verbraucher eben nicht sicher sein, wie regional "brutal lokal" nun wirklich ist. Den Brot-Lehrpfad bezeichnete Daniel Blattert als sehr gute Möglichkeit, echte Verbraucheraufklärung zu betreiben. An den Stationen, die idealerweise interaktiv gestaltet werden sollten, könne viel erzählt werden über die bäuerliche Landwirtschaft, Getreideanbau, gesunde Fruchtfolge und vieles mehr, meinte der Wellendinger Müller, der auch bereit wäre, an seiner Mühle ergänzende Informationen einzurichten. "Die Verbraucher wollen wissen, wie was geht", meinte Daniel Blattert und berief sich mit dieser Aussage auch auf seine Brot-Backkurse, für die die Nachfrage riesig sei.

Kooperation Schule-Landwirtschaft

Der Vorsitzende des BLHV-Stadtverbands Bonndorf, Friedrich Bündert, kann sich eine Kooperation Schule-Landwirtschaft sehr gut vorstellen. Foto: Juliane KühnemundDer Vorsitzende des Bonndorfer BLHV, Friedrich Bündert, war nach den Ausführungen begeistert: "Das ist ein wahnsinnig tolles Projekt." Und dass es aus den Reihen der anwesenden Landwirte bereits viele Nachfragen und Vorschläge gab, wertete Bündert als gutes Zeichen. Interesse an der Kooperation sei offenbar vorhanden.

Bürgermeister Michael Scharf sah die Naturparkschule insgesamt als eine riesige Chance für die Landwirte und ihre Produkte. Den Brot-Lehrpfad bezeichnete er als etwas Besonderes, der habe – wie auch der Bienenlehrpfad – das Potenzial, zur Erfolgsgeschichte zu werden. Beeindruckt von der Idee war auch der BLHV-Bezirksgeschäftsführer Michael Martin. Ein solcher Lehrpfad könne wichtige Impulse geben und die Landwirtschaft wieder ins Bewusstsein der Gesellschaft rücken. Im Schulterschluss von Landwirtschaft und Schule insgesamt sah Martin ein sehr positives Signal. Es sei nämlich enorm wichtig, bei den jungen Menschen Interesse für die Landwirtschaft und Verständnis für Abläufe und Zusammenhänge zu wecken.

Über den weiteren Verlauf der BLHV-Versammlung werden wir noch berichten.

Badische Zeitung v. 17.03.2018